Shunt

Als Shunt wird in der Medizin eine Kurzschlussverbindung mit Flüssigkeitsübertritt zwischen normalerweise getrennten Gefäßen oder Hohlräumen bezeichnet. Dieser kann natürlich vorkommen (z. B. im Rahmen von Fehlbildungen) oder auch im Rahmen einer medizinischen Maßnahme künstlich angelegt werden.

Hämodynamische Shunts

Symptome

Ein Shunt kann die Druckverhältnisse in den Blutgefäßen maßgeblich verändern. So kann zum Beispiel ein Shunt im Rahmen eines Ventrikelseptumdefektes den erreichbaren Blutdruck begrenzen.

Auch kann durch einen Shunt die Sauerstoffsättigung des Bluts durch Vermischung vermindert sein. Da das Verhältnis von Sättigung zu Partialdruck nicht linear, sondern sigmoid ist, kann dies eine Unterversorgung des Organismus zur Folge haben.

Shunt zwischen großem und kleinem Kreislauf

Klinisch bedeutsam sind solche Kurzschlussverbindungen zwischen dem von der rechten Herzhälfte ausgehenden Lungenkreislauf und dem von der linken Herzhälfte ausgehenden Körperkreislauf bei angeborenen Herzfehlern (Vorhof- oder Ventrikelseptumdefekt) oder bei anderen Entwicklungsstörungen wie z. B. dem persistierenden Ductus arteriosus oder einem persistierenden Foramen ovale. Entsprechend dem höherem Druck im Körperkreislauf des linken Herzens besteht zunächst immer eine Links-Rechts-Shunt, kommt es durch die Dauerbelastung des Rechten Herzens zu einer strukturellen Veränderung desselben kann es zu einer Shunt-Umkehr mit nachfolgendem Rechts-Links-Shunt kommen. Dieser Prozeß wird Eisenmenger-Reaktion genannt.

Angeborene arteriovenöse Shunts der peripheren Gefäße nennt man AV-Malformation. Hierbei handelt es sich um eine angeborene Gefäßverbindung zwischen einer Arterie und einer Vene ohne dazwischen liegendem Kapillarbett. Iatrogen könne Kurzschlußverbindungen (AV-Fistel) auch im Rahmen der Punktion einer Arterie versehentlich durch eine Vene hindurch, beispielsweise im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung, entstehen.

Shunt-Operationen am Herzen


Bei bestimmten angeborenen Herzfehlern wird ein künstlicher Shunt zwischen arteriellem und venösem Kreislauf angelegt um die Sauerstoffversorgung des Patienten zu verbessern. Der klassische Shunt ist die Blalock-Taussig-Anastomose. In vielen Fällen wird dieser Shunt im Rahmen einer Korrektur- oder weiteren Palliativoperation des Herzfehlers wieder entfernt.

Dialyseshunts

Bei Dialysepatienten wird künstlich ein Shunt (oder auch arteriovenöse Fistel) angelegt, um ein dickvolumiges Gefäß zur Verfügung zu haben, mit dem man eine Hämodialyse durchführen kann. Dieses Verfahren wurde 1960 von Belding Scribner entwickelt.

Die bevorzugte Lokalisation für einen Dialyseshunt ist die Verbindung zwischen der Arteria radialis und der Vena cephalica am Unterarm. Dieser Shunt wird nach den Erstbeschreibern auch Cimino-Brescia-Shunt genannt. Weitere Möglichkeiten für einen Dialyseshunt am Oberarm sind die Verbindungen der mobilisierten und unter die Haut verlagerten Vena basilica mit der Arteria brachialis (sog. Basilica-Shunt) oder zwischen Vena cephalica und Arteria brachialis (sog. Cephalica-Shunt).

Dialyseshunts sind für Patienten mit einer schweren Nierenfunktionsstörung (Niereninsuffizienz) überlebenswichtig.

Ventrikulo-peritonealer Shunt

Ein sog. VP-Shunt ist in der Neurochirurgie eine permanente Ableitung des Liquors bei Hydrocephalus, die operativ angelegt wird. Dabei wird ein Schlauch von der Schädeldecke her unter der Haut durch den Hals hinab vor der Brustwand bis zur Bauchhöhle (Peritonealhöhle) geführt. Es gibt VP-Shunts, die ein von außen verstellbares Ventil besitzen, um den Abfluss dem Bedarf anzupassen (Siehe auch Hirndruck).

Quelle : Wikipedia