MSTaRT

In München wurde 2004 in Anlehnung an das amerikanische STaRT-System (Simple Triage and Rapid Treatment) das mSTaRT-System entwickelt. Die grundlegende Neuerung gegenüber den anderen bestehenden Sichtungssystemen besteht darin, dass diesem System ein Algorithmus zugrunde liegt, anhand dem auch von nichtärztlichem Rettungsdienstpersonal einem Patienten innerhalb von 45 Sekunden eine Sichtungskategorie zugewiesen werden kann. Damit können die ohnehin nur in begrenztem Umfang zur Verfügung stehenden Notä̈rzte direkt am Patienten eingesetzt werden.

Der Algorithmus besteht aus zwei wesentlichen Strukturen. In einem ersten Schritt werden die Patienten identifiziert, die nur leicht verletzt sind,und deren Behandlung nicht sofort zu erfolgen hat - diese Patienten werden in die Kategorie T3 (leicht verletzt, ohne vitale Gefä̈hrdung) eingeteilt.

In dem zweiten Schritt werden aus den verbleibenden Patienten diejenigen ermittelt, die ohne eine sofortige Behandlung in der Klinik versterben wären. Sie werden in die Kategorie T1 (vital gef ̈hrdet, sofortige Operation nötig) eingeteilt. Alle anderen Patienten werden der Kategorie T2 (vitalgefährdet) zugeordnet. Die Kennzeichnung aller Patienten erfolgt uber Verletzenanhängekarten, die am Patienten befestigt sind. Die logistische Herausforderung für die beteiligten Hilfskräfte ist hierbei die schnelle Ermittlung aller T1 Patienten, sowie deren Versorgung und Transport. Innerhalb einer Stunde (”golden hour of trauma”) sollen alle T1 Patienten im Krankenhaus angekommen sein.

Quelle : Simon Nestler Ressourcenmanagement im Katastrophenfall

Kategorie Patientenzustand Konsequenz Farbe
T1, I akute, vitale Bedrohung Sofortbehandlung rot
T2, II schwer verletzt/erkrankt aufgeschobene Behandlungsdringlichkeit, Überwachung gelb
T3, III leicht verletzt/erkrankt spätere (ggf. ambulante) Behandlung grün
T4, IV ohne Überlebenschance, sterbend betreuende (abwartende) Behandlung, Sterbebegleitung blau

Kritik

Das ursprüngliche in Amerika konzipierte STaRT (Simple Triage and Rapid Treatment) System zeichnet sich durch seine Einfachheit aus. Diese ist im MStaRT Schema weitgehend verlorengegangen. STaRT zeichnet sich durch wenige, einfache Anweisungen aus, die auch von Nicht Norärzten einfach zu erlernen und die praktisch durchzuführbar sind. STaRT ist eine Anweisung für ersteintreffendes Rettungspersonal und sollte nicht zu einem kompletten Triage Schema ausgebaut werden. Der Verletzte wird gesichtet und mit einer Farbe gekennzeichnet. Das weitere Vorgehen erledigen  nachrückende Kräfte. Die Tätigkeit der Sichter sollte auf wenige Maßnahmen beschränkt bleiben.

Schema nach STaRT

1. Zuerst werden alle gehfähigen Patienten aufgefordert, sich an einen Sammelpunkt zu begeben. Die Patienten, die sich selbst aus der Gefahrenzone retten können („walking wounded“, engl. für „gehfähige Verletzte“), werden in die Sichtungskategorie T3 („MINOR“) eingeteilt. Einige davon, die der Helfer für geeignet hält, werden im weiteren Verlauf zur Mithilfe angeleitet.
2. Ein Patient mit Atemstillstand, selbst nach dem Freimachen der Atemwege, gilt als verstorben („DECEASED“).
3. Prüfen der Respiration (Atmung): Eine Atemfrequenz über 30/min. wird als dringend bewertet, der Patient wird in die Sichtungskategorie T1 („IMMEDIATE“) eingeteilt.
4. Prüfen der Perfusion (Durchblutung): Bei einer starken Blutung wird ein Helfer zur Blutstillung angeleitet (Druckverband). Mit der Nagelbettprobe wird die Rekapillarisierungszeit gemessen. Beträgt sie mehr als 2 Sekunden, ist das ein Hinweis auf eine Mangeldurchblutung (Blutdruck < 90 mmHG), der Patient wird in die Sichtungskategorie T1 („IMMEDIATE“) eingeteilt.
5. Prüfen des mentalen Status: Bei Bewusstlosigkeit oder inadäquater Reaktion bei Ansprache wird der Patient in die Sichtungskategorie T1 („IMMEDIATE“) eingeteilt.
6. Alle anderen Patienten werden in die Sichtungskategorie T2 („DELAYED“) eingeteilt.