Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse – in der medizinischen Fachsprache das Pankreas (griech.: pánkreas, pán für „alles“, kréas für „Fleisch“) – ist ein quer im Oberbauch liegendes Drüsenorgan der Wirbeltiere. Die von ihr gebildeten Verdauungsenzyme werden über einen oder zwei Ausführungsgänge in den Zwölffingerdarm abgegeben. Sie ist daher eine exokrine Drüse (exokrin „nach außen abgebend“). Diese Verdauungsenzyme spalten Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette der Nahrung im Darm in ihre Grundbestandteile und zerkleinern sie damit in eine von der Darmschleimhaut aufnehmbare (resorbierbare) Größe. Darüber hinaus werden in der Bauchspeicheldrüse Hormone gebildet, die direkt an das Blut überführt werden. Damit ist sie gleichzeitig auch eine endokrine Drüse (endokrin „nach innen abgebend“). Dieser endokrine Anteil des Pankreas sind die Langerhans-Inseln, die vor allem für die Regulation des Blutzuckerspiegels (über die Hormone Insulin und Glucagon) sowie von Verdauungsprozessen verantwortlich sind.

Eine Entzündung des Pankreas (Pankreatitis) führt durch die freiwerdenden Verdauungsenzyme zu einer Selbstverdauung. Bei einem Funktionsausfall des exokrinen Teils (Exokrine Pankreasinsuffizienz) kann die Nahrung nicht mehr aufgeschlossen werden. Die bekannteste Störung des endokrinen Anteils ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Es liegt im Retroperitonealraum, also hinter dem Bauchfell, zwischen Magen, Milz, Leber und den großen Blutgefäßen des Bauchraums (Aorta und untere Hohlvene). Es steht in enger Beziehung zum Zwölffingerdarm (lat. Duodenum), der den Pankreaskopf umfasst. Es ist kaum atemverschieblich, d. h. im Gegensatz zu anderen Organen der Bauchhöhle (z. B. der Leber) verändert sich seine Position bei Ein- und Ausatmung nur wenig.

Makroskopisch unterscheidet man beim Menschen drei Abschnitte der Bauchspeicheldrüse: den Pankreaskopf (Caput pancreatis), den Pankreaskörper (Corpus pancreatis) und den Pankreasschwanz (Cauda pancreatis). Eine Abgrenzung des vom Zwölffingerdarm umfassten Pankreaskopfes vom Pankreaskörper wird an der Incisura pancreatis (Pankreaseinkerbung) vorgenommen, jener Stelle, an welcher der gekrümmte rechte Teil des Pankreas in den horizontalen, die Wirbelsäule auf Höhe des zweiten Lendenwirbels querenden Teil übergeht. An dieser Einkerbung verlaufen auch die Arteria mesenterica superior und die Vena mesenterica superior. Eine vergleichbare scharfe Abgrenzung ist zwischen dem im Querschnitt dreieckigen Pankreaskörper und dem Pankreasschwanz nicht möglich.

Der Ausführungsgang des Menschen (Ductus pancreaticus, Wirsung-Gang) mündet gemeinsam mit dem Hauptgallengang (Ductus choledochus) oder nahe diesem in den Zwölffingerdarm. Diese Mündung stellt eine warzenförmige Erhebung dar (Papilla duodeni major oder Vatersche Papille). Der Hauptausführungsgang ist beim Menschen etwa 2 mm weit. Bei manchen Individuen ist ein zweiter, kleiner Ausführungsgang vorhanden, der Ductus pancreaticus accessorius (Santorini-Gang), der dann auf der Papilla duodeni minor in das Duodenum mündet.

Blutversorgung

Die Versorgung der Bauchspeicheldrüse erfolgt über drei große Gefäße. Die Arteria pancreaticoduodenalis superior, die Arteria splenica und die Arteria pancreaticoduodenalis inferior verzweigen sich in weitere kleinere Arterien, die zum Teil miteinander anastomosieren, das heißt sie verbinden sich und bilden ein Gefäßnetz.

Das venöse Blut des Pankreas wird über die Milzvene (Vena splenica), die Bauchspeicheldrüsen-Zwölffingerdarm-Vene (Vena pancreaticoduodenalis) und über die Gekrösevenen (Venae mesentericae) in die Pfortader (Vena portae) geleitet und gelangt somit zunächst zur Leber.

Innervation

Die Bauchspeicheldrüse wird, wie fast alle inneren Organe, durch beide Anteile des vegetativen Nervensystems (Sympathikus und Parasympathikus) versorgt. Die nervale Versorgung des Pankreas erfolgt parasympathisch durch den Nervus vagus. Sympathische Fasern erreichen über den Nervus splanchnicus major das Ganglion celiacum, wo sie auf das zweite sympathische Neuron umgeschaltet werden, welches dann in die Bauchspeicheldrüse zieht.

Das Pankreas ist gleichzeitig exokrine und endokrine Drüse. Als exokrine Drüse produziert sie Verdauungsenzyme, als endokrine Drüse Hormone.

Der exokrine Anteil besteht aus mehreren tausend locker zusammengefügten Läppchen mit einem Durchmesser von etwa 3 mm. Ein solches Läppchen enthält mehrere, von sekretproduzierenden Zellen umgebene Drüsengänge (Azini). Die von diesen Drüsenzellen gebildeten Verdauungsenzyme werden ohne Verlust von Zellbestandteilen (merokrine Sekretion) in Form eines wässrigen (serösen) Sekrets freigesetzt und über die Azini weitergeleitet und teilweise auch gespeichert. Die Azini werden von einer Basallamina umgeben, die durch ein feines Netz von retikulären Fasern gestützt wird. Etwa drei bis fünf Azini sind zu einem Komplex oder „Drüsenbäumchen“ verschaltet und münden über sogenannte Schaltstücke in einen gemeinsamen Gang. Die Zellen dieser Schaltstücke werden als zentroazinäre Zellen bezeichnet. Die Ausführungsgänge vereinen sich und werden letztendlich zu den Hauptausführungsgängen.

Der endokrine Anteil sind die Langerhans-Inseln, die 1869 von Paul Langerhans entdeckt wurden. Es handelt sich um Anhäufungen von endokrinen Epithelzellen, die sich vorwiegend im Abschnitt des Körpers und des Schwanzes befinden. Sie geben die von ihnen produzierten Hormone direkt ins Blut ab. Abhängig vom produzierten Hormon unterscheidet man:

α-Zellen produzieren Glucagon (33–46 % der humanen Inselzellen)
β-Zellen produzieren Insulin (48–59 % der humanen Inselzellen)
δ-Zellen produzieren Somatostatin (8–12 % der humanen Inselzellen)
PP-Zellen produzieren pankreatisches Polypeptid
ε-Zellen produzieren Ghrelin

Mittels immunhistochemischer Methoden kann ebenfalls die Lokalisation der Zelltypen in einer Langerhans-Insel festgestellt werden, die beim Menschen kein bestimmtes Muster erkennen lässt.

Die Bauchspeicheldrüse als Ganzes wird von einer dünnen Kapsel aus Bindegewebe umgeben, die Septen (Scheidewände) nach innen sendet. Diese Septen trennen die einzelnen Drüsenläppchen voneinander. Außerdem wird sie von einem dichten Kapillarnetz durchzogen, das die Sekretionstätigkeit erst ermöglicht.