Nachgeburt

Als Nachgeburt werden beim Menschen die nach der eigentlichen Geburt eines Kindes noch zu gebärenden Eihäute sowie der Mutterkuchen (lat. Plazenta) bezeichnet. Auch der Vorgang der Abstoßung als solcher wird Nachgeburt genannt. Nach der Geburt muss durch Hebamme bzw. Arzt die Nachgeburt auf Vollständigkeit überprüft werden. In besonderen Fällen ist eine Ausschabung zur Verhinderung von Komplikationen notwendig.

Nagelbettprobe

Bei gesundem Zustand füllen sich die in den Fingerspitzen befindlichen Kapillaren sofort wieder mit Blut. Sollte dies jedoch nicht, oder verzögert, erfolgen, lässt das darauf schließen, dass die Extremitäten des Patienten nicht ausreichend mit Blut versorgt werden. Eine mögliche Ursache hierfür kann ein Schock, zum Beispiel hervorgerufen durch einen erheblichen Blutverlust, sein. Die Nagelbettprobe eignet sich sehr gut im Rettungsdienst, um einen solchen Schock, zumindest halbwegs frühzeitig, zu erkennen.

Nähen

Nähen bezeichnet in der Medizin die Form der Gewebevereinigung mittels Nadel und Faden, wobei die Enden verknotet werden. Es ist eine grundlegende und bis heute unverzichtbare chirurgische oder operative Technik.

Nahtformen

Der typische Standard ist die Einzelknopfnaht (A), bei welcher durch einen kreisförmig durchs Gewebe geführten Faden mit einem mehrfachen Knoten eine punktförmige Wundadaptation erzeugt wird. Lange Wunden benötigen daher mehrere. Aber das Vernähen langer Wunden kann auch mit einem fortlaufenden Faden geschehen, wobei verschiedene Fadenführungen möglich sind: überwendlig oder nur in einer Ebene hin und her. Um hierbei Hautaustrittskanäle zu vermeiden, entwickelte man die vollständig versenkte Intrakutannaht.

Nalbuphin

Nalbuphin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Schmerzmittel vom Opioid-Typ. Es wirkt agonistisch an den κ-Opioidrezeptoren und antagonistisch an den µ-Opioidrezeptoren. Die Vorteile des Partialantagonisten liegen darin, dass eine opioidbedingte Atemdepression, z. B. postoperativ nach dem Einsatz von Fentanyl während der Narkose, aufgehoben werden kann bei gleichzeitiger Fortführung der Schmerzbehandlung, da Nalbuphin selbst analgetisch wirkt. Es ist dem Pentazocin ähnlich, steigert jedoch den Blutdruck und die Herzfrequenz nicht. Bei opiatabhängigen Patienten kann der Einsatz von Nalbuphin allerdings sofort nach der Injektion ein Entzugssyndrom hervorrufen. Nalbuphin wird als Hydrochlorid in Injektionslösungen eingesetzt. Die Wirkung tritt rasch nach 2–3 Minuten ein. Die Halbwertszeit beträgt circa 3 Stunden. Die gleichzeitige Gabe zu einer Behandlung mit μ-agonistischen Opioiden wie etwa Morphin oder Fentanyl ist kontraindiziert. Die Substanz fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz.

Nasenblutung

Nasenblutung. Epistaxis (von gr. σταζω „tröpfeln“, ἐπισταξις „Darauftröpfeln“) ist das medizinische Fachwort für Nasenbluten. Nasenbluten ist zwar in den meisten Fällen nicht gefährlich, es kann jedoch auch lebensbedrohlich und kaum zu beherrschen sein. Gefährliche Blutungen stammen meist aus den hinteren Nasenabschnitten (Arteria ethmoidalis anterior).

Natriumbikarbonat

Bikarbonat ist der wichtigste Blutpuffer zur Regulierung des Säure-Basen-Haushalts des Menschen. Die Möglichkeit, Säuren durch Bikarbonat zu binden,neutralisieren, ist für den Körper überlebenswichtig. Deswegen wird Natriumbikarbonat in der Notfallmedizin als Puffer eingesetzt z.B. bei Reanimationen. Dabei wird Natriumbikarbonat als Infusion intravenös verabreicht. Wenn möglich nach einer Blutgasanalyse. Ist diese Möglichkeit nicht vorhanden kann Blind gepuffert werden, siehe Blindpufferung.

Nekrose

Unter einer Nekrose (gr. νέκρωσις nékrosis „Absterben“) wird in der Biologie und Medizin der am lebenden Organismus stattfindende, pathologischen Untergang einzelner oder mehrerer Zellen verstanden (auch Nekrobiose genannt). Der Begriff der Apoptose wird dagegen als physiologischer Untergang einzelner Zellen oder bestimmter Zellpopulation definiert und darum auch als programmierter Zelltod bezeichnet. Nekrosen werden nicht nur beim Menschen und bei Tieren, sondern ebenso bei Pflanzen beobachtet.

Nebenniere

Die Nebenniere (lateinisch Glandula adrenalis oder Glandula suprarenalis) ist eine paarige Hormon-Drüse. Die Nebennieren befinden sich beim Menschen auf den oberen Polen beider Nieren. Sie unterliegen dem hormonellen Regelkreislauf und dem vegetativen Nervensystem. Die Nebenniere vereint funktionell zwei verschiedene Organe. Die Nebennierenrinde produziert Steroidhormone und ist am Wasser-, Mineralstoff- und Zuckerhaushalt beteiligt. Das Nebennierenmark ist dem sympathischen Nervensystem zuzurechnen und bildet Adrenalin und Noradrenalin.

Nervenzelle

Eine Nervenzelle oder ein Neuron (von griechisch νεῦρον, neũron = „Nerv“) ist eine auf Erregungsleitung spezialisierte Zelle.

Neubauer-Zählkammer

Die Neubauer-Zählkammer ist eine etwa 30 mm x 80 mm große und etwa 5 mm dicke Glasplatte mit einer um einen definierten Betrag vertieften Mittelfläche, auf der quadratische Felder definierter Größe eingeätzt sind. Sie wird zur Zählung aller Arten von Teilchen, besonders von Zellen (zum Beispiel Erythrozyten, Leukozyten) und Mikroorganismen in der Medizin und Biologie verwendet.

Neunerregel nach Wallace

Zur Bestimmung der Verbrennungsfläche bei Erwachsenen bedient man sich der Neunerregel nach Wallace. Bei Kindern muss wegen der im Vergleich zum Erwachsenen anderen Körperproportionen ein an jedes Lebensalter angepasstes Verfahren mit modifizierten Werten angewendet werden (z. B. nach Wichmann). Mit diesen Methoden kann man ungefähr ermitteln, wie viel Prozent der Körperoberfläche verbrannt sind. Nach Wallace besitzt der Kopf, Hals 9% der Körperoberfläche, Arme 2 X 9 = 18%, Beine 2 X 2 X 9 = 36%, der Rumpf 2 X 2 X 9% = 36% und die Genitalen 1%

Neurotransmitter

Neurotransmitter sind heterogene biochemische Stoffe, welche die Information von einer Nervenzelle zur anderen über die Kontaktstelle der Nervenzellen, der Synapse, weitergeben. In die Synapse einlaufende elektrische Impulse (Aktionspotenziale) veranlassen die Ausschüttung der chemischen Botenstoffe aus ihren Speicherorten, den synaptischen Vesikeln. Das geschieht durch einen exozytotischen Mechanismus. Durch die Fusion der Vesikelmembran mit der präsynaptischen Membran gelangen die Transmittermoleküle in den synaptischen Spalt, durch den sie zu den Rezeptoren des nachgeschalteten postsynaptischen Neurons diffundieren. Die Neurotransmitter werden nach ihrer Ausschüttung auf verschiedene Weise deaktiviert und/oder abgebaut.

Nierenschwelle

Als Nierenschwelle bezeichnet man die maximale Rückresorptionskapazität der Niere für eine bestimmte Substanz (z. B. Glucose). Beim Nicht-Diabetiker wird Zucker (Glukose) in der Niere fast vollständig zurückgehalten, d. h. im Urin des Gesunden ist nahezu kein Zucker enthalten. Erst wenn der Blutzucker, etwa bei einem Diabetes mellitus über ca. 180 mg/dl ansteigt, kann der Zucker nicht mehr vollständig rückresorbiert werden und tritt in den Urin über (Glukosurie). Die Blutzuckerkonzentration, bei der die Zuckerausscheidung mit dem Urin beginnt, nennt man Nierenschwelle. Sie ist bei jedem Mensch unterschiedlich und kann sich im Laufe des Lebens verändern. So ist sie z. B. in der Schwangerschaft und bei Kindern niedriger, während sie im höheren Lebensalter ansteigt. Auch Medikamente können die Nierenschwelle beeinflussen.

Nifedipin

Nifedipin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Calciumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ, es senkt über eine Erweiterung der glatten Muskulatur der Gefäße den Blutdruck stark. Therapeutisch wird Nifedipin hauptsächlich eingesetzt zur Behandlung der arteriellen Hypertonie sowie des Raynaud-Syndroms. Kontraindiziert ist die Gabe von Nifedipin bei der instabilen Angina pectoris und beim akuten Herzinfarkt.

Noradrealin

Noradrenalin ist ein Neurotransmitter des zentralen Nervensystems. Nonadrealin ist ein wichtiger Botenstoff des Sympatikus einem Teil des vegetativen Nervensystems. Noradrealin steigert wie Adrealin den Blutdruck ohne jedoch die Herzfrequenz zu erhöhen. Noradrenalin wird als Hormon in den Nebennieren produziert, ins Blut abgegeben (Fluchtreflex) und wirkt vorwiegend an den Arteriolen und führt über Aktivierung von Adrenozeptoren zu einer Engstellung dieser Gefäße und damit zu einer Blutdrucksteigerung. Eine pathologisch erhöhte Konzentration an Noradrenalin im Blut findet sich beim Krankheitsbild der Herzinsuffizienz.

Norton-Skala

Die Norton-Skala ist eine Werteskala zur Beurteilung einer Dekubitusgefährdung. Beim Dekubitus, aus dem lateinischen, von decubare = liegen. handelt es sich um ein Druckgeschwür daß durch langes Liegen auf einer Körperstelle enstehen kann. Als Kriterien in der Beurteilung der Dekubiusgefährdung nach Norton gelten  körperlicher Zustand, geistiger Zustand, Aktivität, Beweglichkeit, Inkontinenz. Die Norton-Skala wurde von Doreen Norton aus England in den 50er Jahren entwickelt.

Notfall

Als Notfall werden im Rettungswesen Fälle benannt, bei denen es zu einer lebensbedrohlichen Störung der Vitalparameter Bewusstsein, Atmung und Kreislauf oder der Funktionskreisläufe Wasser-Elektrolyt-Haushalt, Säure-Basen-Haushalt, Temperaturhaushalt und Stoffwechsel kommt. Ohne sofortige Hilfeleistung sind erhebliche gesundheitliche Schäden oder der Tod des Patienten zu befürchten. In einem weiteren Sinn fasst man auch psychische Notsituationen wie beispielsweise Selbsttötungsabsichten oder Psychosen sowie Gewalt unter den Notfall-Begriff. Notfälle sind alle Situationen, in denen Gefahr für Leib und Leben des Betroffenen, das heißt des Notfallpatienten, besteht. Im Mittelpunkt der Ersten Hilfe steht dabei die Sicherstellung der Vitalfunktionen (Bewusstsein, Atmung und Kreislauf).

Notfallset Allergie

Ein Notfallset Allergie sollte von Allergikern mitgeführt werden, damit z.B. bei Bienenstichen eine effektive Erste Hilfe möglich ist. Das Notfallset beinhaltet ein Antihistaminikum und ein Kortikosteroid in Tablettenform und ein Adrealinspray oder eine Adrealinspritze.

Notlage

Notruf

Der Notruf ist ein Signal, das übermittelt wird, um bei einem Notfall professionelle Hilfe wie Rettungsdienste, Feuerwehren oder Polizeien zu alarmieren. Je nach Situation wird bei der Rufannahme entschieden, ob ein Einsatz erfolgt. Ein Notruf kann über verschiedene Kommunikationskanäle abgesetzt werden, gewöhnlich über Telefon, aber auch über Rufsäulen, Funk und Seenotsignale.

Notfunkbake

Eine Notfunkbake (engl. emergency position indicating radio beacon, EPIRB) ist ein kleiner Funksender, mit dessen Hilfe Satelliten oder Search-and-Rescue-Einsatzkräfte rettungsbedürftige Schiffe, Personen oder Flugzeuge orten können. In der Luftfahrt ist auch die Abkürzung ELT (emergency locator transmitter) verbreitet, während Geräte für die Benutzung an Land, z. B. für Wanderer, meist mit PLB (personal locator beacon) bezeichnet werden. EPIRB ist die übliche Bezeichnung in der Schifffahrt, dient aber auch als Oberbegriff für Notfunkbaken unabhängig von ihrem Einsatzgebiet, da die Alarmierung bei allen nach denselben Prinzipien funktioniert.

Notkompetenz

Die Notkompetenz ist ein von der Bundesärztekammer in einem Schreiben geprägter Begriff, welches empfiehlt, Rettungsassistenten explizit aufgeführte Maßnahmen, die eigentlich einem Arzt obliegen, im Rahmen des rechtfertigenden Notstandes durchführen zu lassen. Dies darf jedoch nur geschehen, wenn minder invasive Maßnahmen bereits gescheitert, kein Arzt in absehbarer Zeit verfügbar ist und der Rettungsassistent diese Maßnahmen erlernt hat und beherrscht. Die Notkompetenz ist jedoch keine rechtliche Regelung, sondern eine in der Praxis oft verfolgte Empfehlung, die sich im Spannungsfeld zwischen „rechtfertigendem Notstand“ (§ 34 StGB) und diversen anderen Gesetzen (Arzneimittelgesetz, Strafgesetzbuch, Heilpraktikergesetz etc.) befindet. Nach der Empfehlung der Bundesärztekammer wird ausschließlich Rettungsassistenten die Notkompetenz zugeschrieben.

Notruf Amateurfunk

Grundsätzlich wird jede Amateurfunkfrequenz, auf der ein Notruf abgesetzt wird, automatisch zur Notfunkfrequenz. International wurden folgende Notruffrequenzen für den Amateurfunkdienst vereinbart:

Notruf BOS Funk

Notruf BOS ist ein System zur Übermittlung eines Notrufes im Bereich des Funksystems der BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben)

Notruf Luftfahrt

Die Internationale Notruffrequenz für die Luftfahrt ist „121,500 MHz“ und „243 MHz“. Der Notruf kann über ein Funksignal gesendet werden. Es ist allerdings auch möglich die jeweilige Zentrale mit „declare emergency“ anzufunken.

Notruf REGA

In der Schweiz besteht die Möglichkeit, im 2-Meter-Band auf der Frequenz 161.300 MHz („E-Kanal“, „Emergency“- oder „Notrufkanal“) einen Notruf abzusetzen. Das Funkgerät muss dazu mit einem Tonsquelchgeber von 123 Hz ausgerüstet sein, mit welchem per Tonruf die Relaisstationen eingeschaltet werden können, welche das Signal zur REGA-Einsatzzentrale weiterleiten. Dieser „Emergency-Kanal“ hat eine gute Funkabdeckung. Durch Aussenden eines Fünftonrufs (21301) kann der Sender ohne Notrufauslösung testen, ob er von seinem Standort aus eine Funkverbindung aufbauen kann. Ein anderer Fünftonruf (21414) alarmiert die Einsatzzentrale. Über diese Funkfrequenz kann auch die Kommunikation der Rega mit dem Alarmierer / Opfer erfolgen.

Notruf Seefunk

In der Seefahrt werden Notrufe per Seenotsignal oder Funk abgesetzt, um auf gefährliche Situationen aufmerksam zu machen und Hilfeleistungen anzufordern. Der Funkverkehr kennt verschiedene Arten von Notrufen, die je nach Dringlichkeit des Notfalls zu verwenden sind. Sofern möglich, soll der Notruf Angaben enthalten zur Identifikation und Position des Absenders, zur Art und Umfang drohender oder eingetretener Schäden sowie zu notwendigen Hilfeleistungen.

  • 2182 kHz Internationale Ruf- und Notruf-Frequenz See
  • 2187,5 kHz DSC - Digital selective calling for distress, safety and calling
  • 156,525 MHz ( Kanal 70 ) DSC - Digital selective calling for distress, safety and calling
  • 156,800 MHz ( Kanal 16 ) Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr im mobilen Seefunk

Notrufe/Notsignale können auch automatisch gesendet werden, zum Beispiel beim Kentern oder Sinken eines Schiffes mittels einer dafür konzipierten Boje. In diesem Fall wird über eine Satellitenverbindung in einer Seenotzentrale Alarm ausgelöst und von dort aus die Suche und die Rettung des Havaristen gesteuert. In der Seefahrt sind zudem pyrotechnische Seenotsignalmittel üblich. Wikipedia

Nottestament

Befindet sich laut § 2250 BGB jemand „in so naher Todesgefahr , dass voraussichtlich auch die Errichtung eines Testaments nach § 2249 BGB nicht mehr möglich ist“, kann ein sogenanntes Nottestament verfügt werden.

Novalgin®

Novalgin ist ein auf Metamizol-Natrium basierendes Schmerzmittel, das von der Firma Hoechst entwickelt wurde. Es erlangte weltweite traurige Berühmtheit, da es mehrfach vom Markt genommen wurde, weil es zu ungeklärten Nebenwirkungen kam. Bis heute ist es jedoch ein hoch wirksames Schmerzmittel, was im Krankenhausbetrieb häufig Verwendung findet.

Nykturie

Die Nykturie (griechisch νυκτουρία, nikturía, "das nächtliche Harnlassen“) bezeichnet ein vermehrtes, nächtliches Wasserlassen. Explizit bedeutet dies bei normaler Trinkmenge, ein mehr als zweimaliger Toilettenbesuch.