Wundheilung

Eine Wunde ist ein Defekt des schützendes Deckgewebes infolge einer Verletzung, die mit der Eröffnung von Gefäßen und daher mit dem Austritt von Blut und Lymphe verbunden ist. Der Organismus muß schnellstens für den Verschluß der verletzten Gefäße und der Wunde sorgen.

Den ersten schnellen instabilen Verschluß bezeichnet man als erste Stufe. Der langsame, sich anschließende Prozeß, der zum stabilen Wundverschluß in Form einer Narbe führt, ist die zweite Stufe.

Zur Regeneration zerstörten Gewebes bzw. Verschluß einer Wunde, gehört insbesondere die Neubildung von Bindegewebe und Kapillaren. Das führt bei der primären Wundheilung infolge minimaler Bindegewebeneubildung zwischen den gut durchbluteten und ggf. adap- tierten Wundrändern einer sauberen Wunde zu deren raschem und komplikationslosem Verschluß.

Bei Wunden mit weiter auseinanderliegenden (gequetschten od. nekrotischen) Wundrän- dern oder bei einer Wundinfektion erfolgt eine verzögerte sekundäre Wundheilung, bei der es infolge einer Entzündung zur Auffüllung des Gewebedefekts mit Granulationsgewebe und ausgedehnter Bildung von Narbengewebe kommt. Die Epithelisierung vom Rand her bildet den Abschluß der Wundheilung.

Primärheilung

Heilung durch sofortige Adaptation der Wundränder durch Naht, Klammern, Klebestreifen oder Wundkleber. Eine Narbe entsteht bei Verletzung der Regenerationsschicht der Haut. Exakte Wundnaht und primäre Wundheilung hinterlassen beste Narben.

Sekundärheilung

Klaffende Wundränder vereinigen sich über Granulation und Vernarbung. Eine Sekundärnaht ist im Stadium der Granulation möglich.

Wie kleine Wunden am besten heilen

Ruckzuck ist's passiert: Beim Zwiebelhacken hat man sich in den Finger geschnitten oder beim Sport den Ellenbogen aufgeschürft. Schnitt- und Schürfwunden hat man schnell, doch wie werden sie am besten verarztet? Besser kein Pflaster draufgeben, an der Luft heilt's schneller, lautet ein altbekannter Rat. Ein Mythos? Und sollte man die Wunde ausspülen oder riskiert man durch Keime aus dem Wasserhahn eine Infektion? Und wieso wirkt schwarzer Tee genauso gut wie ein Wundspray? Wir haben einen Experten gefragt, wann Pflaster, Salben und Sprays wirklich sinnvoll sind und wie Alltagswunden am besten heilen.

Ausspülen mit Leitungswasser

Besonders bei Schürfwunden geraten schnell Fremdkörper in die Wunde und fördern so eine Entzündung. "Daher ist es sehr sinnvoll Bakterienherde wie Schmutz mit Leitungswasser abzuspülen", sagt Dermatologe Dr. Andreas Jesper. Die Gefahr, dass mit dem Wasser neue Keime in die Wunde gelangen können, sieht der Experte nicht. "Leitungswasser ist in Deutschland praktisch keimfrei, ist die Wunde nicht infiziert, ist das Auswaschen ausreichend."

Wunden an der Luft heilen lassen?

Bei Schnitt- oder Risswunden gilt: "Eine echte Wundheilungsbeschleunigung gibt es nicht, weder an der frischen Luft, noch unter einem Pflaster", sagt Dr. Beatrix Grohn, Expertin bei der Präventionskampagne Haut der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung. Bei kleinen Wunden ist ein Pflaster nicht zwingend notwendig. Bei größeren schützen Wundauflagen vor physikalischen, chemischen und mechanischen Einflüssen von außen. Für das erste Verarzten gilt: "Das Pflaster unter bestmöglicher Spannung, also mit Zug anbringen, damit es zu bluten aufhört", so Dermatologe Jesper. 

Binden statt kleben

Der Experte rät von der Verwendung von Pflastern dennoch eher ab: "Man sollte sie so wenig wie möglich verwenden, da sie die Haut oft noch mehr reizen." Bei großflächigen Wunden rät er dazu, so genannte Fettgaze zu verwenden und die Stelle mit Mull zu verbinden. Antiseptische Salben wirken zusätzlich gegen Keime. Cremes oder Sprays, die Antibiotika enthalten, sieht Jesper kritisch. Sie steigern die Gefahr einer Antibiotika-Resistenz und können zu allergischen Reaktionen führen. "Meistens sind diese gar nicht notwendig", so Jesper. Nur nach Absprache mit einem Arzt sollten sie verwendet werden.

Schwarzer Tee schlägt Spray

Auch alkoholhaltigen Sprays, die meist ein Brennen auf der Haut verursachen, schmerzen meist mehr als zu wirken. Ein preisgünstiges und wirksames Mittel bei kleinen Schnitten oder Rissen findet sich in der Küche: abgekühlter, schwarzer Tee. "Zieht der Tee lange genug, bilden sich Gerbstoffe, die desinfizierend wirken", sagt der Haut-Experte. Als kühlender Wickel um die verletzte Haut gelegt, lindert es die Schmerzen und beugt gegen Infektionen vor. "15 bis 20 Minuten reichen dabei aus", so Jesper.

Quelle : t-online