L-MAST

L-Mast ist eine Anti Schock Hose die im Gegensatz zu den Orginal MAST (Military Anti Schock Trousers) ohne pneumatischen Druck arbeitet. Durch das Fehlen von Pumpen und Manometern ist sie in der Anschaffung sehr viel billiger. L-MAST werden auch NP-AST (Non-Pneumatic Anti Shock Trousers) genannt.

Verwendung der Antischockhose (J.Schou Lörrach)

Die Antischockhose (Military/Medical Antishock-Trousers, MAST) ist keine Neuheit, sondern wird seit mehreren Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Wahrscheinlich hat sie ihren Namen gegen sich, denn als Maßnahme gegen den Schock kann sie nicht unbedingt Erfolge verzeichnen. Hingegen sind die lebensbedrohlichen Blutungen, bei denen MAST rettend wirken kann, so selten, daß es unmöglich wird, anhand der wenigen Fälle eine statistische Aussage zu treffen – leider für viele Ärzte eine Voraussetzung für das Denken. Es müssen deshalb 5 Voraussetzungen für die Verwendung von MAST festgehalten werden:

  • Die MAST soll primär eingesetzt werden um intraabdominelle Blutungen möglichst frühzeitig zu stillen.
  • Solche Fälle sind eben selten, dafür kann MAST aber hier lebensrettend wirken.
  • Die abdominelle Kompression darf nur nach Intubation angelegt werden.
  • Das abrupte Entfernen der MAST kann tödliche Folgen haben.
  • Gezwungenermaßen muß MAST bei mehr Patienten verwendet werden (vor allem bei Polytraumatisierten) als dies retrospektiv nötig gewesen wäre.

Es gibt zwei Prinzipien der MAST:

  • das Dreikammer-Luftdrucksystem mit angeschlossenen Manometern und
  • das nicht-pneumatische Velcron-Fiberkraftsystem.

Nachdem letzteres sich bei zwei Fällen von fast-fatalen abdominellen Aortaaneurysmata als ausreichend wirksam gezeigt hat(und eine weitere haben wir in unserem Klinik hier gesehen), dürfte es bei den restlichen Fällen auch genügen. Weitere Vorteile dieses System sind wesentlich für den weiteren Gebrauch:

  • Diese MAST-Ausgabe ist wesentlich leichter und billiger.
  • Es ist schneller anzulegen.
  • Der Notarzt kann sich um wichtigeres kümmern und wird nicht durch die Manometer abgelenkt.
  • Bei Lufttransport entsteht keine Unterschiede im Druck (sonst: Zu viel beim Hochfliegen und, nach kompensatorisches Druckablassen, zu wenig beim Landen).
  • Es ist hiermit nicht möglich, einen zu hohen Druck (z.B. mit der Folge eines Compartment-Syndroms) zu erzeugen.
  • Es enthält keine Metallteile und ist für Röntgenstrahlen durchlässig (auch CT wäre möglich, wenn eine schnelle Operation nicht dringend nötig ist).

Die Wirkweise ist leicht zu verstehen: Es ist möglich durch Kompression eine Blutung zu stillen (eine sehr alte Beobachtung, der durch Mangeln an kontrollierte Studien nicht unwahr werden sollte), und es ist jetzt auch möglich, diese Kompression von außen zu erzeugen. Wahrscheinlich ist dies auch im Becken- und Oberschenkelbereich von Vorteil, es ist dann die Frage ob man solche Verletzungen auch als Indikation ansehen möchte. Alternativ könnte man sich vor einer zu breiten Indikationsstellung fürchten mit der Gefahr, daß es zu Enttäuschungen kommt. Wird z.B. nur die druckerhöhenden Eigenschaften ausgenützt, kann der Patient aus einer noch ungestillten Blutungsquelle noch mehr verlieren. Sicher ist die MAST bei Thoraxverletzungen nicht von Vorteil, und könnte hier auch Nebenwirkungen verursachen.

Nach Untersuchung und Indikationsstellung durch den Not- oder Ambulanzarzt wird MAST unter dem Patienten so gelagert, daß das Kompressionsmaximum später über dem Nabel zu liegen kommt (so markiert). Ist der Patient noch nicht auf der Trage, ist es natürlich leichter wenn die MAST schon vorher bereit liegt. Jetzt kann schon die Beinkompression angelegt werden, während sich der Notarzt (bzw. die Anästhesisten) um die Anästhesieeinleitung und Intubation bemühen. Erst wenn letztere gesichert ist, darf die Bauchkompression angelegt werden. Warum nun das?

Die Bauchkompression führt zu einer Steigerung des gastrischen Druckes, und dies erhöht die Anäüsthesierisiko bei dem ohnehin aspirationsgef‘ährdeten Notfallpatienten. Einen weiteren Grund für die vorgezogene Anästhesieeinleitung bildet der Bauchschmerz, der durch die MAST noch erheblich zunehmen wird. Der Schockzustand oder das Polytrauma sind weitere Gründe für die Intubationsanästhesie, weil bei diesen Zuständen die frühzeitige Beatmung prophylaktische Wirkung zeigt. Zudem werden viele dieser Patienten nach Einweisung ohnehin operiert. Besonders der eingeklemmte Patient wird schneller und leichter befreit werden können durch die frühzeitige Intubationsanästhesie.

Um eine ausreichende Kompression durch die MAST zu erhalten, sollen die Helfer beim Anlegen nicht reflektorisch den (lateralen Klettverschluß) Teil nehmen, welcher ihnen am nähesten liegt, sondern erst das mediale gegen sich ziehen, dann kann von der anderen Seite ein anderer Helfer das mit Klettverschluß bezogene Teil in seiner Richtung ziehen und somit spannen. Es wird von distal her angefangen, nur die Bauchkompression darf, wie erwähnt, erst nach der Intubation erfolgen. Die Beinkompression wird auch deshalb zuerst angelegt, um eine Blutstauung durch die abdominelle Kompression zu vermeiden.

Wichtig ist, daß die MAST nicht abrupt entfernt wird. Eigentlich soll sie überhaupt nicht entfernt werden ohne entsprechende Diagnose (CT) oder sofortiger Operation. Es hat schon Todesfälle durch Unverständnis dieses Zusammenhanges gegeben! Die Indikationsstellung zur Laparotomie ist sicherlich erschwert durch die MAST –  dafür leben manche dieser Patienten noch. Eine Sonographie ist nur teilweise möglich und negative Befunde sind ohnehin nicht aussagekräftig. Eine peritoneale Lavage ist gänzlich unmöglich, und es bleiben den aufnehmenden Chirurgen somit nur zwei Möglichkeiten: Entweder gleich operieren, die vorliegende Befunden zu Grunde liegend, oder (eine gewisse Stabilität vorausgesetzt) eine Diagnose mittels CT anstreben. Auch konventionelles Röntgen von Becken, den unteren Extremitäten und der lumbalen Wirbelsäule ist möglich –  unter Berücksichtigung des Zeitverbrauchs und der Bedarf an Monitoring.

Für den Anästhesisten ist wichtig, daß der Erfolg auch „zu gut“ sein kann, so daß der Patient so hohe Blutdruckwerte erhält, und dadurch eine erneute Blutung möglich wird. Es wird daher empfohlen, nach ausreichender Anästhesie und Relaxation, die Druckwerte in Grenzen zu halten durch die Infusion eines kurzwirkenden ß-Blockers, das Esmolol. Dies sollte dann 5-10 Minuten vor der Abnahme der Bauchkompression abgesetzt werden.

Wird der Patient notfallmässig laparotomiert, sollte die Bauchkompression erst im OP abgenommen werden, direkt vor der Hautdesinfektion. Der Bauchschnitt kann dann bereits wenige Minuten später erfolgen. Allerdings: ein weiterer "Erfolg" der MAST zeigt sich durch den Blutdruckabfall nach Abnahme der Bauchkompression.

Es gibt Hinweise, daß der Verzicht auf MAST in der prähospitalen Notfallmedizin die intraabdominellen Blutungen zu den am häufigsten vorkommenden vorbeugsamen Todesursachen (potentially preventable death) geführt hat [5].

Die Schockhose ist nur wiederverwendbar, wenn sie richtig gewaschen wird: Max. 30°C und nicht geschleudert, ansonsten verlieren die Velcronfasern ihre Stärke und alles wird lang und schlaff –  also nicht einfach zum waschen abgeben!

Quelle : www.schou.de